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INSURTECH

InsurTech im DACH-Raum: Carrier, MGA oder Makler — die Strukturentscheidung, die alles definiert

27. März 20264 Min. Lesezeit Aegiron Capital Group

Versicherung ist die regulierte Branche, die das Fintech vergaß und dann wiederentdeckte. Der DACH-Raum beherbergt einen der tiefsten Versicherungsmärkte der Welt — und eine Aufsichtsarchitektur, die jedes Insurtech still in eine von drei strukturellen Boxen sortiert, bevor eine einzige Police verkauft ist. Die Box zu wählen ist die Strategie; alles danach ist Umsetzung.

Die drei Boxen, in aufsteigender regulatorischer Schwere. Der Makler oder Vermittler vertreibt und berät mit gewerberechtlicher Erlaubnis und Registrierung — in Deutschland nach § 34d GewO, mit IDD-abgeleiteten Verhaltenspflichten —, ohne Risiko zu tragen. Der Managing General Agent gestaltet Produkte und managt Portfolien unter delegierter Zeichnungsvollmacht eines Versicherers: Das Risiko liegt auf der Lizenz eines anderen, für die Vermittlung braucht der MGA in der Regel selbst die Erlaubnis nach § 34d GewO. Der Carrier hält die eigene Versicherungslizenz unter dem VAG, beaufsichtigt von der BaFin, mit Solvency-II-Kapital, -Governance und -Reporting im Gepäck. Jede Box hat DACH-Insurtech-Erfolgsgeschichten produziert; jede scheitert, wenn sie aus den falschen Gründen gewählt wird.

Was jede Box wirklich kostet

  • Makler-Modelle skalieren schnell und verlassen das Regulierungsgespräch früh — leben aber von Vertriebsökonomie und besitzen nie die Underwriting-Marge. Vergleichsplattformen und Embedded-Distributoren sitzen hier.
  • MGA-Modelle kaufen Time-to-Market und Produktkontrolle ohne Carrier-Kapital — zum Preis der Abhängigkeit: Kapazitätsverträge können neu bepreist oder entzogen werden, und der Risikoappetit des Carriers wird zur eigenen Produkt-Roadmap.
  • Carrier-Status heißt Solvency II in voller Länge: Eigenmittel nach Risikoprofil, das Governance-System mit seinen Schlüsselfunktionen (Risiko, Compliance, Aktuariat, Revision), ORSA und Aufsichtsreporting. Die Belohnung ist die ganze Wertschöpfungskette — der Wegezoll wird in Jahren und Millionen gemessen.

Das ehrliche Muster aus einem Jahrzehnt DACH-Insurtech: Die meisten nachhaltigen Ventures starteten als Makler oder MGA, und nur eine Handvoll graduierte zum Carrier, sobald die Volumina die Fixkosten einer Lizenz rechtfertigten. Als Carrier zu starten, weil es seriös klingt, ist der teuerste Eitelkeitskauf der Branche.

In der Versicherung ist die Lizenzfrage in Wahrheit eine Kapitalallokations-Frage im Compliance-Kostüm.

Die aufsichtliche Textur 2026

Drei Strömungen prägen das DACH-Insurtech-Gespräch mit den Aufsehern. Erstens phast der 2024 verabschiedete, novellierte Solvency-II-Rahmen Richtung Anwendung ein — mit rekalibrierter Proportionalität für kleinere Unternehmen und neuen Nachhaltigkeits- und makroprudenziellen Elementen. Zweitens gilt DORA für Versicherer und ihre kritischen IKT-Anbieter wie für Banken; ausgenommen sind nur sehr kleine Versicherer und Vermittler, die selbst Kleinst-, kleine oder mittlere Unternehmen sind — ein Insurtech, das Software in die Assekuranz verkauft, steckt trotzdem im Resilienz-Gespräch, ob es will oder nicht. Drittens passt die langjährige BaFin-Aufmerksamkeit für Ausgliederungen spezifisch auf das MGA-Modell: Delegiertes Underwriting ist aufsichtlich eine Ausgliederung, und der Carrier bleibt verantwortlich — weshalb seriöse Kapazitätspartner ihre MGAs prüfen wie Verlängerungen ihrer selbst.

Für vertriebsseitige Modelle verdient die IDD-Schicht Respekt statt Furcht: Produktüberwachungspflichten, Wunsch-und-Bedürfnis-Prüfung und Vergütungstransparenz sind Prozesspflichten, die gut gebaute Plattformen belohnen — und improvisierte entblößen. Österreich spiegelt den Rahmen — Versicherer beaufsichtigt die FMA, Vermittler die Gewerbebehörden —; die Schweiz fährt ihre eigene Aufsicht unter der FINMA mit einem revidierten Versicherungsaufsichtsgesetz, das die Vermittlerregeln verschärft hat — das vertraute DACH-Muster konvergenter Substanz bei separater Prozedur.

Eine Entscheidungssequenz für Gründer

  1. Die Underwriting-Marge ehrlich modellieren: Liegt Ihr Vorteil in Distribution oder Daten, fängt Makler-/MGA-Ökonomie womöglich den Großteil des Werts zu einem Bruchteil der Kosten.
  2. Falls MGA: Kapazität wie die strategische Abhängigkeit verhandeln, die sie ist — Laufzeit, Exklusivität, Datenhoheit und Exit-Klauseln zählen mehr als die Schlagzeilen-Provision.
  3. Falls Carrier-Ambitionen bestehen: sequenzieren — erst das Portfolio unter delegierter Vollmacht beweisen, dann die Schadenhistorie ins Lizenzgespräch mitbringen.
  4. IDD-taugliche Beratungs- und Produkt-Governance-Prozesse von Tag eins in die Plattform bauen; Conduct-Compliance nachzurüsten ist Arbeit auf Neubau-Niveau.
  5. DORA-Readiness als Vertriebsmaterial behandeln, wenn Technologie an Versicherer verkauft wird.

Wo die Produktchancen tatsächlich sitzen

Die Strukturmerkmale des DACH-Versicherungsmarkts zeigen auf konkrete Öffnungen. Das Firmenkundengeschäft für KMU bleibt chronisch unterdigitalisiert — der Mittelstand kauft komplexe Deckungen über persönliche Makler auf Prozessen aus der Papier-Ära, und Plattformen, die Makler schneller machen (statt sie löschen zu wollen), haben echte Traktion gefunden. Embedded Insurance reitet die Checkout-Ökonomie, wobei das Vermittlerregime definiert, was ein Händler neben seinem Produkt verkaufen darf. Schadenautomatisierung ist die Effizienzfront, an der Carrier ernsthaft investieren. Und die gesamte vorsorgenahe Schicht — betriebliche Altersversorgung, private Vorsorge — sitzt auf demografischem Druck, der Reformaufmerksamkeit für eine Generation garantiert.

Der rote Faden: In diesem Markt gewinnt Technologie öfter als Infrastruktur für bestehende Vertrauensbeziehungen denn als deren Ersatz. Die Insurtechs, die das früher verinnerlichten, verkaufen heute an die Etablierten, gegen die sie einst pitchten.

Fazit

Die DACH-Assekuranz belohnt Geduld und Struktur: Der Markt ist riesig, die Etablierten sind langsam, und die Aufsichtsarchitektur ist navigierbar für alle, die ihre Box bewusst wählen. Aegiron Capital Group unterstützt Insurtechs bei der Strukturierung des Markteintritts — von der Carrier/MGA/Makler-Entscheidung bis zur Kapazitäts- und Partnerschaftsstrategie; die Rechtsberatung übernimmt die Kanzlei, die Sie beauftragen.

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Peter M. Badke

Peter M. Badke

Gründer, Aegiron Capital Group

Bankkaufmann (IHK), seit 2021 im Vertrieb und Partnergeschäft für Fintech-Anbieter im DACH-Raum. Zertifizierter Derivatehändler (Deutsche Börse Group).

Entwurf mit KI-Werkzeugen; redaktionell verantwortlich: Peter M. Badke.

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